mit mir und meiner weiblichkeit verbunden sein… praxis für sinnliche wege devaka regine hoffmann

Mit mir und meiner Weiblichkeit verbunden sein…

Mit mir und meiner Weiblichkeit verbunden sein…

Was heißt das eigentlich genau?

Sich als Frau behaupten? Den eigenen Willen durchsetzen? Stark sein, etwas leisten und tragen? Oder vielleicht:

Sich an andere anschmiegen? Mitgehen? Weich sein? Sich öffnen und geschehen lassen?

Solche und ähnlich polarisierenden Ideale sind mir auch in der Tantra-Szene oft begegnet. Yin und Yang ist gleich Mann und Frau. Und Frau sollte Yin, der Mann Yang sein, zumindest wenn sie aufeinandertreffen. Zum Glück werden solche Vorstellungen heute zunehmend durch diverse Sichtweisen abgelöst.

Dennoch höre ich von Frauen oft die Frage wie sie sich mit ihrer Weiblichkeit besser verbinden können. Manchmal empfinden sie ein diffuses unwohl Sein, ein leises Gefühl:
Ich bin gar nicht richtig da. Von außen sieht alles stimmig aus. Von innen fühlte sich etwas leer an – oder abgeschnitten. Sie suchen nach der „wahren“ Weiblichkeit. Nach weiblichen Vorbildern und Orientierung im Außen.

Sich mit der eigenen Weiblichkeit zu verbinden bedeutet aber nicht, einem Ideal zu entsprechen. Es geht nicht um Rollenbilder oder äußere Zuschreibungen. Auch nicht um neue tantrische Ideale. Es geht um Beziehung. Um die Beziehung zu deinem Körper, deinen Gefühlen, deiner Intuition, deiner Lebendigkeit.

Es geht darum zu erkunden wie du persönlich als Frau sein kannst – und das kann vieles sein.
Es kann organisiert und strukturiert sein oder auch chaotisch, verspielt und empfindsam. Es kann fürsorglich und einfühlsam sein. Es kann sehr bezogen aber auch ganz auf sich selbst konzentriert sein. Frauen können kämpfende Löwinnen und weise erleuchtete Frauen sein. Gleichzeitig. Das erscheint erst mal sehr unterschiedlich, ja manchmal sogar gegensätzlich. Ein inneres Leere-Gefühl entsteht oft dann, wenn wir einen Teil dieser Vielfalt ablehnen, vergessen haben oder nur teilweise wahrnehmen.
In jedem dieser Aspekte fühlen wir uns auf eigene Weise, wir sind in einer bestimmten Körperwahrnehmung und in einem anderen Ausdruck von Lebendigkeit.

Ich kenne eine Zeit in der ich vor allem versucht habe das zu erfüllen was vermeintlich andere von mir wollten. Ich habe mich angestrengt und grenzenlos gearbeitet – wie ich heute weiß, nur um mich wertvoll zu fühlen und meine tieferen Bedürfnisse zu verbergen. Sogar vor mir selbst. Ich war zwar oft in Aktion, im Tun, aber innerlich nur mit dem starken, leistungsfähigen Teil von mir verbunden. Bis ich merkte, wie unerfüllt ich mich fühle. Es fehlte etwas.

Damals wusste ich noch nicht, dass ich nicht „zu viel Power“ hatte. Ich hatte nur verlernt, mich voll und ganz zu spüren. Meine Kraft nutzte ich um weniger zu spüren und so blieb ich von einem wichtigen Teil meines FrauSeins getrennt. Von meiner Empfindsamkeit aber auch von meiner wahren Stärke.

Was bedeutet es eigentlich, mit mir verbunden zu sein?

Heute würde ich sagen:
Mit mir verbunden zu sein bedeutet, mich von innen zu bewohnen.
Es heißt, meinen Körper nicht nur zu benutzen, sondern ihn zu fühlen.
Es heißt, meine Gefühle nicht zu analysieren, sondern ihnen Raum zu geben, auch ohne sofort danach handeln zu müssen.
Es heißt, meine Bedürfnisse und Begrenzungen ernst zu nehmen – auch wenn sie unbequem sind.

Verbundenheit fühlt sich für mich an wie innere Stimmigkeit. Wie ein „Ja“ zu mir wie ich genau jetzt bin. Mit allem zu Sein wie es ist. Menschlich.

Wie empfindest du Momente in denen du verbunden bist?

Wenn du Lust hast, erinnere dich einmal an dieser Stelle an eine Situation in der du dich verbunden gefühlt hast:

Mit dir selbst.
Mit einem Menschen.
Mit einem Tier.
Mit der Natur.
Oder vielleicht mit etwas Göttlichem.

Nimm dir Zeit dafür in die Erinnerung einzutauchen. Was geschieht bei dieser Erinnerung in deinem Körper? Verändert sich dein Atem? Weitet oder verengt sich etwas in dir? Entspannt sich dein Nervensystem?

Oft sind solche Momente besonders kostbar. Denn in ihnen fühlen wir uns nicht mehr getrennt. Wir erleben ein Gefühl von „Eins-Sein“.

Sich mit sich selbst und der eigenen Weiblichkeit zu verbinden ist ein Weg. Ein Pfad der auch manchmal vor und zurück geht. Manchmal geraten wir auf Umwege und verlieren die Verbindung wieder. Aber wir können immer wieder dorthin zurückkehren und auftanken.

Dieser Weg führt über unseren weiblichen Körper und über unsere Gefühle. Sie sind es die uns mit uns selbst und anderen verbinden. Wir können üben diesen Kontakt zu pflegen. Dabei erleben wir auch manchmal wie wir uns selbst im Weg stehen. Mit welchen Lieblings-Strategien wir mehr Nähe zu uns selbst und anderen vermeiden und warum.

Ich begann meinen Weg zu mehr Verbundenheit z.B. damit wahrzunehmen, wo ich mich anspanne, wenn ich „nett“ bin. Wo ich mich zurückhalte, obwohl ich mich zeigen möchte. Wo ich Sex mitmache um meine „Ruhe“ zu haben. Vielleicht kennst du solche Momente auch in denen du dich anpasst. Und vielleicht geht es dir wie mir damals: Sobald ich merkte was ich tat, verurteilte ich mich. Ich war nicht „authentisch genug“! Tja, und wieder spürte ich Druck. Wieder war ich nicht gut genug.

Vielleicht willst du genau wie ich üben, in solchen Momenten milde auf dich zu schauen. Ja zu deinen Vermeidungsstrategien zu sagen und sie da sein lassen. So kannst du sie besser kennenlernen.
Ja, solche Momente sind nicht angenehm. Aber es gibt sie. Das Anerkennen wie du dich vorfindest ist der Anfang von Verbundenheit.

Deine Weiblichkeit ist nicht weg – nur überlagert

Deine Weiblichkeit entfaltet sich, je mehr du auf deinem Weg entdeckst wer und wie du als Frau bist. Weiblichkeit hat wenig mit bestimmten Eigenschaften wie aktiv oder passiv sein zu tun – die schließlich Männer und Frauen gleichermaßen erleben können.

Unsere Weiblichkeit spüren wir Frauen besonders deutlich in der Beziehung zu unserem Körper und unseren Gefühlen. Beide Ebenen verbinden uns ganz irdisch mit dem zyklischen Prinzip, der fortwährenden Wandlung des Lebens, dem Prinzip von Gebären und loslassen.

Sich mit der eigenen Weiblichkeit zu verbinden heißt deshalb vor allem: in den Körper zurückkehren. Mit unserem Frauen-Körper wie er ist Freundschaft zu schließen und ihn zu bewohnen statt ihn zu optimieren. Den Körper mit den Gefühlen zu verbinden. Und zu fühlen was wir fühlen.
Nicht neue Ideale und Konzepte zu erlernen, sondern uns mehr zu erleben wie wir sind. Von da aus geht es weiter. Mit Präsenz im Körper. Durch achtsame Begegnung.

Weiblichkeit entfaltet sich nicht im Kopf. Sie zeigt sich immer deutlicher, je mehr wir uns mit allem was wir sind anfreunden. Je mehr wir uns spüren und fühlen.

Was hat das mit Intimität zu tun?

Intimität bedeutet nicht zuerst Sexualität. Intimität bedeutet Nähe. Geteilte Nähe. Und echte Nähe beginnt in uns selbst und damit, zu teilen, was wir innerlich erleben.

Wenn wir unsere eigenen Gefühle nicht wahrnehmen, wie soll ein anderer sie fühlen?
Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht kennen, wie sollen wir sie kommunizieren?
Wenn wir unseren Körper nicht bewohnen, wie sollen wir Berührung wirklich erleben?

Selbst-Verbundenheit ist die Grundlage für intime Beziehungen. Und Intimität entsteht, wenn ich mich zeige. Mich zeigen kann ich nur dort, wo ich mich selbst kenne. Wo ich den Mut habe, offen zu sein. Echt zu sein. Und zwar sowohl dann, wenn ich machtvoll agiere, als auch wenn ich mich verletzlich fühle.

Wenn ich mich mutig zeige rücke ich nicht nur anderen sondern auch mir selbst näher und erlebe Verbindung in beide Richtungen. Nach Innen und nach Aussen. In dieser Verbundenheit kann sich vielleicht mein Mitgefühl entfalten. Und daraus entspringt dann wohlmöglich mehr Fürsorge für uns selbst und unsere Umwelt.

Genau das geschieht in der Intimität: Die Mauer zwischen „Ich“ und „Du“ wird durchlässiger. Doch damit das möglich ist, muss ich zuerst die Mauer in mir selbst erkennen.

Uralte Mauern erkennen und annehmen

Frauen tragen oft generationsübergreifende Prägungen in sich. Geschichten von Anpassung. Von Zurückhaltung. Von Scham. Von „nicht zu viel sein dürfen“. Nachwehen von Gewalt, Einschüchterung und Verachtung. Das hat tiefe teils unbewusste Spuren in uns hinterlassen. Dabei vergessen wir oft, dass wir diesen unsäglichen Schmerz bewältigt haben und nicht Opfer geblieben sind. Wir haben bewusst oder unbewusst mit der Zeit Strategien entwickelt, mit unseren Wunden umzugehen. Und nicht nur eine! Wir lagern oft mehrere Strategien übereinander wie Gesteinsschichten in der Erde.

Die Nebenwirkungen solcher Strategien behindern nun unser Leben. Soll das so bleiben? Warum lassen wir sie nicht los sobald wir sie als hinderlich erkennen?

Manchmal gelingt uns das ja tatsächlich. Aber mal ehrlich: Wollen wir auf bewährte Lösungen wirklich freiwillig verzichten? Wir sind damit doch bisher gut gefahren. Ja, okay, wir bleiben etwas allein dadurch. Aber bisher ging es doch auch so. Und wer weiß, was wir dann fühlen müssten?

Unsere tieferen Strategien lassen wir nicht so leicht los. Wir kapseln damit nicht nur unseren Schmerz ein, sondern vermeiden ihn auch in Zukunft.
Kaum entsteht mehr Nähe als gewohnt, reißen wir einen Streit vom Zaun, manipulieren andere um unseren Willen zu bekommen oder meckern an ihnen herum. Man kann es uns nicht recht machen. Und manchmal behandeln wir andere wie wir uns „damals“ behandelt fühlten als es weh tat. Kurz: Wer uns nah kommt wird kontrolliert und wie ein alter Feind behandelt. Woraufhin wir uns darüber beschweren, dass wir nicht wie Königinnen behandelt werden!

Haben wir vergessen, dass wir Menschen sind, einfache Frauen, deren natürliche Kompetenz Verbundenheit wäre?

Den meisten Frauen fällt es schwer solche oder ähnliche negative Verhaltensweisen anzuerkennen. Sie verbergen sie hinter ihren verletzlichen Gefühlen die ja innerlich tatsächlich auch da sind. Während die kontrollierende Außenwirkung ihrer alten Lösung aus dem Blickfeld gerät. Und wenn sie doch entdeckt werden, wenden manche Frauen die Erkenntnis gegen sich selbst. „Ich bin so schrecklich meckerich. Ich hasse mich und will so nicht sein.“ Was ehrlich gesagt auch nicht weiter hilft sondern einer neugierigen Erforschung eher im Weg steht. So lagern sich verschiedene Strategien aufeinander ab. Es braucht Wohlwollen, Mut zur Wahrheit und Zeit, solche Muster zu realisieren und die Schichten zu durchdringen.
Veeta Wittemann hat zu diesem weiblichen Thema die Video-Reihe „Die Rückkehr der Königin“ und ein gleichnahmiges Buch geschrieben, in dem es um tief unbewusste weiblichen Abwehrmechanismen geht. Mehr zu IndividualSystemik und Frauen von Veeta Wittemann Ich bin durch sie meiner persönlichen weiblichen Macht auf die Spur gekommen. Mehr zu meinem Weg

Doch beginnen wir am Anfang. Wir können uns – allein oder zusammen mit anderen Frauen – darin üben unsere persönlichen Strategien zu erkennen und anzuerkennen.
Ach so! So schaffe ich das also mehr Nähe zu verhindern. Und was passiert eigentlich, wenn ich einen kleinen Schritt näher gehe. Ich lebe weiter! Nichts Schlimmes passiert, auch wenn es sich so anfühlt. Und wieder fühle ich was ich fühle. Ich tue nichts mit dem Gefühl aber gebe ihm in mir Raum. Gefühle an sich sind eigentlich keine Bedrohung. Ich praktiziere so meinen Weg Schritt für Schritt. In verdaubaren Häppchen.

Sich mit der eigenen Weiblichkeit zu verbinden heißt eben nicht nur Licht und Liebe zu finden, sondern auch, die eigenen Schutzmechanismen und deren Wirkung auf andere freundlich zu hinterfragen. Nicht um sie zu verurteilen – sie haben einmal geholfen. Sondern um zu prüfen, ob sie heute noch dienen. Wir haben heute genug Kraft, auf sie zu verzichten.

Wie ich mich heute mit mir verbinde

Es sind die kleinen Dinge, die mir helfen mich mit mir selbst zu verbinden. Ich beginne immer mit dem Körper. Mein weiblicher Körper ist meine Tür zu meiner Weiblichkeit.

Es hilft mir,…

  • Wenn ich morgens bewusst atme, und meinen Rücken auf der Matratze wahrnehme, bevor ich aufstehe.
  • Wenn ich wohlwollend meinen Bauch halte während ich meine Zähne putze.
  • Wenn ich meinen Körper bewege und tanze, nicht um ihn zu optimieren, sondern um ihn zu fühlen.
  • Wenn ich offen „Nein“ sage und mein Herz dabei ruhig bleibt.
  • Wenn ich eine Freundin um etwas bitte und das Nein in Kauf nehme ohne zu erstarren
  • Wenn …

Verbundenheit ist für mich kein Dauerzustand. Ich verliere sie. Und ich finde sie wieder.

Ich weiß inzwischen, wie sie sich anfühlt:
Weich. Wach. Weit.

Und vielleicht ist genau dies Weiblichkeit für mich geworden –
nicht ein Bild, sondern eine lebendige Beziehung zu mir als Frau!

Alltägliche Wege zu mehr Verbundenheit mit dir:

Hier einige praktische Impulse, die du mit deinen eigenen Erfahrungen anreichern kannst:

1. Täglicher Körper-Check-in

Frage dich:
„Was genau nehme ich gerade in meinem Körper wahr?“
Wähle 2-3 Körperstellen aus oder lass dich intuitiv führen.

  • Wo ist Weite? Wo Enge?
  • Wo Anspannung, wo Fließen?
  • Ist es warm oder kalt, kribbelt es?
  • Verändere nichts, nimm nur wahr.

2. Zyklisches Bewusstsein entwickeln

Beobachte deine Befindlichkeit über Wochen hinweg und notiere sie in dein Tagebuch:

  • Wann bist du nach außen gerichtet? Wann brauchst du Rückzug?
  • Wann fühlst du Lust? Wann ist dir Sex zuwider?
  • Wann willst du unter Menschen sein? Wann allein?

Wann immer du etwas davon bemerkst lege eine Hand auf deinen Körper und spreche laut oder innerlich aus: „ja, das bin ich heute“. Wenn du willst wieder hole das 3-4 mal.
Dein Körper spricht in Rhythmen. Schenke dir dafür dieses Ja.

3. Langsamkeit kultivieren

Weiblichkeit öffnet sich selten unter Druck. Nimm dir bewusst Zeit für langsame Momente – z.B.

  • beim Duschen: genieße bewusst eine Minute länger die Wärme des Wassers
  • beim Essen: nimm dir ganz besonders beim ersten und beim letzten Bissen Zeit, den Geschmack auf der Zunge wahrzunehmen
  • beim Berühren deiner Haut: berühre nur ein Körperteil besonders langsam und bewusst, jeden Zentimeter, und realisiere Veränderungen in der Empfindung

4. Ehrliche Kommunikation üben

Beginne in kleinen Dingen, deine Wahrheit auszusprechen. Dein Ja und dein Nein. Intimität wächst mit Authentizität.
Übe diesen Ausdruck im Alltag: z.B. Beim Bäcker:

  • „dieses Brot hat mir nicht so gut geschmeckt, aber das da sieht verführerisch aus“
  • Sie haben sich vorgedrängelt. Bitte warten Sie, auch ich habe es eilig.

5. Selbstberührung ohne Ziel

Berühre deinen Körper nicht, um etwas zu erreichen, sondern um dich zu spüren. Präsenz ist wichtiger als Technik.
Mach es dir gemütlich und widme dich 15 Minuten deiner Selbstliebe, der Berührung deines Körpers ohne Ziel.
Nimm dabei wahr was dich in deinem Frauenkörper genießen lässt und was dir eher langweilig vorkommt. Erkunde deinen ganzen Körper neugierig.

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